Veröffentlicht am 8. Oktober 2026
Studienort wählen: Warum die meisten im eigenen Bundesland bleiben
Destatis: 69% der Erstsemester studieren im Bundesland ihres Abiturs. Was das für deine Ortswahl heißt und welche Fragen dir beim Umzugsentscheid helfen.
Zum Start des Wintersemesters hat das Statistische Bundesamt (Destatis) am 6. Oktober 2026 eine „Zahl der Woche“ veröffentlicht: Im Wintersemester 2025/26 haben 69% der Studienanfängerinnen und -anfänger ihr Studium in dem Bundesland begonnen, in dem sie die Hochschulreife erworben haben. Wenn du gerade überlegst, wo du studieren sollst, ist das eine brauchbare Orientierung. Sie sagt dir allerdings nicht, was für dich richtig ist.
Was die Zahlen zeigen
Die Grundlage sind rund 308.000 Studienanfängerinnen und -anfänger mit einer deutschen Hochschulzugangsberechtigung. Ein Viertel von ihnen hat sie in Nordrhein-Westfalen erworben (25%), 14% in Baden-Württemberg und 11% in Bayern.
Zwischen den Ländern gibt es große Unterschiede. In Nordrhein-Westfalen blieben 82% im Land. In Brandenburg waren es 33%, und fast ebenso viele junge Menschen von dort (32%) gingen ins Nachbarland Berlin. Thüringen kommt auf 34%. Das liegt laut Destatis auch an der Internationalen Hochschule mit Hauptsitz in Erfurt, der nach Studierendenzahlen größten Hochschule Deutschlands. Sie bietet vor allem Fernstudiengänge an, und dafür muss niemand nach Thüringen ziehen.
Wer das Bundesland wechselt, geht oft in ein benachbartes. 17% der Erstsemester in Hamburg kamen aus Schleswig-Holstein, weitere 16% aus Niedersachsen. In Bremen stellten Studierende mit Hochschulreife aus Niedersachsen 35%, aus Bremen selbst kamen 38%.
Warum ein breites Angebot Menschen im Land hält
Destatis nennt einen klaren Zusammenhang: Je mehr verschiedene Studiengänge es in einem Bundesland gibt, desto mehr junge Menschen bleiben dort. Nordrhein-Westfalen mit seinen vielen Hochschulstandorten ist das Beispiel aus der Meldung. Daneben nennt das Amt die Lebensumstände vor Ort und die räumliche Nähe als Gründe.
Für dich folgt daraus eine praktische Überlegung. Viele bleiben nicht, weil sie unbedingt wollen, sondern weil in ihrer Nähe schlicht ein passender Studiengang existiert. Wenn bei dir das Gegenteil gilt, wirst du für dein Fach wegziehen müssen. Das ist normal und kein Sonderfall.
Auch die Hochschulart gehört zur Ortswahl. Im Wintersemester 2025/26 waren 2.876.900 Menschen eingeschrieben (vorläufige Zahl, 0,4% mehr als im Vorjahr). An Universitäten und gleichgestellten Hochschulen studierten 1.668.200 (0,6% weniger), an Fachhochschulen 1.112.900 (2,1% mehr). Kunsthochschulen hatten 38.100 Studierende, Verwaltungsfachhochschulen 57.800. Ob dein Wunschfach an einer Universität oder an einer Fachhochschule angeboten wird, entscheidet also oft mit darüber, welche Städte in Frage kommen.
Fragen, die du dir vor der Ortswahl stellen kannst
Die Statistik beschreibt, was viele tun. Für deine eigene Entscheidung helfen konkrete Fragen:
- Gibt es mein Fach in meiner Nähe, und zwar an der Hochschulart, die zu mir passt? Prüfe dafür die Studiengänge in deinem Bundesland und in den Nachbarländern. Die Zahlen aus Hamburg und Bremen zeigen, dass der Blick über die Landesgrenze üblich ist.
- Wie viel kostet mich das Wohnen? Hier lohnt sich ein Blick in die Mieten der Städte, die du in Betracht ziehst. Der MLP Studentenwohnreport 2026 hat 38 Hochschulstandorte untersucht: Eine 30-Quadratmeter-Musterwohnung kostet dort im Schnitt 567 Euro warm, in München rund 880 Euro, in Chemnitz rund 280 Euro. Das ist eine Orientierung für den Vergleich, deine tatsächliche Miete hängt vom Einzelfall ab.
- Wie sehr will ich eine neue Umgebung? Wer zu Hause wohnen bleibt, spart Miete, Umzug und Fahrten und behält sein Umfeld. Wer wegzieht, gewinnt Abstand, muss aber Freundschaften und Alltag neu aufbauen.
- Wie weit ist es mit der Bahn? Der Fernstudiengang ist eine Möglichkeit, wie das Beispiel der IU zeigt, passt aber nicht für jeden Typ.
Die letzte Frage kann dir niemand abnehmen. Manche Menschen blühen im Wohnheim einer fremden Stadt auf, andere lernen zu Hause besser.
Wenn dein Fach stärker gefragt oder weniger gefragt ist
Destatis berichtet für das Wintersemester 2025/26 von weniger Studienanfängern in Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen. Wenn du dich für eines dieser Fächer interessierst (Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Bauingenieurwesen), sagt das nichts über deine Chancen aus. Es zeigt nur, dass sich die Zahlen verändern. Für die Ortswahl ist daran vor allem eines interessant: Ein Studiengang, der bei dir in der Nähe nicht angeboten wird, lässt sich meist anderswo finden.
Insgesamt haben im Studienjahr 2025 vorläufig 491.700 Menschen erstmals ein Studium begonnen, 0,3% mehr als 2024. Du bist mit deiner Entscheidung also in großer Gesellschaft.
Erst das Fach, dann der Ort
Die Reihenfolge ist eine Empfehlung von uns: Klär zuerst, was du studieren willst, und such danach die Orte. Wer mit der Stadt anfängt, landet leicht in einem Studiengang, der nur deshalb passt, weil er in der Nähe liegt.
Der kostenlose Fragebogen von whatshouldistudy hilft dir beim ersten Schritt. Er vergleicht deine Interessen mit 80 Studienfeldern und zeigt dir passende Studiengänge. Wenn du willst, kannst du zusätzlich deinen YouTube-, Spotify-, Reddit- oder GitHub-Verlauf einbeziehen, die Auswertung läuft in deinem Browser. Danach siehst du, in welchen Städten und an welchen Hochschulen es die Programme gibt, und kannst dort die Fragen von oben durchgehen.
Es kann sein, dass dein Wunschfach in deiner Heimatstadt angeboten wird und du trotzdem wegziehen möchtest. Das ist ebenfalls eine gültige Entscheidung.
Fächer in diesem Artikel
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Zum FragebogenQuellen
- 69 % der Studienanfängerinnen und -anfänger sind zum Studium im eigenen Bundesland geblieben (Destatis via Presseportal)
- 69 % der Studienanfängerinnen und -anfänger sind zum Studium im eigenen Bundesland geblieben (finanznachrichten.de)
- Wintersemester 2025/2026: 0,4 % mehr Studierende als im Vorjahr (Destatis, PM 426)
- Pressemitteilungen – Statistisches Bundesamt
- Studienanfänger: 69 Prozent bleiben im eigenen Bundesland
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